Die meisten haben schon davon gehört: Beim Cannabis gibt es weibliche und männliche Pflanzen. Begehrt sind im Hanfbusiness aber vor allem die weiblichen Pflanzen. Denn aus ihnen lässt sich der berauschende Stoff herstellen oder auch das wertvolle CBD gewinnen. Um die männliche Hanfpflanze hingegen ranken sich viele Mythen: Ist sie legal? Kann man sie rauchen? Was ist eigentlich der Unterschied zu den weiblichen Pflanzen? In diesem Beitrag klären wir alle diese Fragen und zeigen dir, wie du männliche Hanfpflanzen erkennen kannst.

Cannabis – eine ganz besondere Pflanze

Hanf ist in vieler Hinsicht ein ganz außerordentliches Gewächs: Neben seinen wirkmächtigen Inhaltsstoffen ist es auch eine der wenigen zweihäusigen Pflanzen. So bezeichnet man Gewächse, wo Männchen und Weibchen als eigene Pflanze wachsen. Nur 6 % aller blühenden Pflanzenarten machen das so, bei den allermeisten verfügt jedes Gewächs über beide Geschlechtsorgane.  Die männliche Cannabispflanze bildet die Pollen zur Bestäubung aus und die weiblichen Pflanzen die zu bestäubenden Blütenstempel. Der Haken: Die begehrten Cannabinoide (z. B. CBD oder THC) finden sich fast ausschließlich an den Blüten der weiblichen Pflanzen. In den männlichen Pflanzen sind nur sehr wenig Cannabinoide enthalten.

Auf der Hanfplantage: Männchen sind unerwünscht

Hanfplantage männliche Pflanzen

Auf der Hanfplantage werden männliche Pflanzen aussortiert, weibliche dürfen bleiben.

Die Männchen sind beim Anbau sogar äußerst gefürchtet: Wenn die weibliche Hanfpflanze von männlichen Pollen bestäubt wird, dann entwickeln sich Samen und die gewünschten Blüten fallen viel magerer aus. Außerdem lassen sich „versamte“ Blüten kaum anständig weiterverarbeiten. Aus diesem Grund heißt es für die meisten Cannabis-Männchen:

Weg damit, sobald es geht!  Leider kannst du nicht von an Anfang an sehen, ob eine Hanfpflanze männlich oder weiblich ist. Du musst bis kurz vor der Blütephase warten.

Erst dann erkennst du an den männlichen Cannabispflanzen die typischen Staubbeutel.

Unter bestimmten Bedingungen – vor allem Stress – kommt es auch zu Zwitterpflanzen: Diese enthalten weibliche und männliche Blüten. Zwitter muss man ebenfalls aus der Plantage entfernen.

Sind männliche Hanfpflanzen legal?

Aus männlichen Hanfpflanzen lässt sich also kein psychoaktives THC gewinnen. Viele fragen sich daher, ob die männlichen Pflanzen legal sind. Die Antwort ist: Nein.

In Deutschland ist der private Anbau von Hanf grundsätzlich verboten, das Geschlecht der Pflanzen ist dabei egal. Auch Pflanzen mit wenig THC darf man in Deutschland als Privater nicht anpflanzen. Für landwirtschaftliche Gewerbe ist Nutzhanf mit weniger als 0,2%-THC erlaubt.  In Österreich darf man allerdings Cannabispflanzen als „Zierhanf“ besitzen – solange sie nicht blühen. Sobald sie blühen, sind sie nicht mehr legal und dabei kommt es auch nicht auf das Geschlecht an.

Mehr zur Frage “Ist CBD in Deutschland legal?” liest du in unserem Ratgeber zum Thema.

Wie sieht eine männliche Hanfpflanze aus?

Egal ob als zertifizierter Landwirt von CBD-Hanf oder Homegrower außerhalb der Legalität: Jeder Hanfbauer möchte männliche Hanfpflanzen möglichst schnell loswerden. Deshalb gibt es hier einen kleinen Guide, wie man die männlichen Cannabisgewächse erkennt.

So geht’s:

Hanf Blüte beobachten und Geschlecht erkennen

Während der Blütezeit sollte die Pflanze genau beobachtet werden.

1) Blütezeit festlegen: Vor der Blüte kann man das Geschlecht der Hanfpflanze nicht erkennen. Deshalb sollte man zuerst bestimmen, wann die Pflanzen blühen werden. Im Indoor-Bereich ist das gut steuerbar, da die Blüte von der Beleuchtung abhängt. Wenn die Beleuchtung auf höchstens 12 Stunden pro Tag gestellt wird, fangen die Pflanzen an zu blühen. Simuliert man einen 12/12-Rhythmus (12 Stunden Dunkelheit, 12 Stunden Licht), dann kommen nach 1-3 Wochen die ersten Blüten.

2) Pflanzen gut beobachten: Die männlichen Pflanzen müssen unbedingt eliminiert werden, bevor sich die Blüten öffnen. Ansonsten ist die Gefahr zu groß, dass sie die weiblichen Pflanzen bestäuben. Der Zeitraum ist also relativ knapp. Wenn sich die Blütezeit nähert, sollte man deshalb die Pflanzen täglich mit der Lupe begutachten.

3) Verzweigungen anschauen: Die interessanten Stellen an der Pflanze sind die Verzweigungen, wo sich zwei Stängel teilen (manche sagen auch „Blattachsel“ dazu).

  • Bilden sich kleine Kugeln in der Verzweigung → die Pflanze ist männlich
  • Bilden sich dünne, weiße, abstehende Haare → die Pflanze ist weiblich
Männliche Cannabis Pflanze erkennen

Die männliche Pflanze erkennt man an den kleinen Kugeln in der Verzweigung.

Die kleinen Kügelchen an den männlichen Pflanzen sind die Pollensäcke. Wenn sie sich öffnen, sehen sie aus wie kleine herabhängende Bananen. Übrigens: Die Männchen blühen ein wenig früher, damit die Samen rechtzeitig fertig sind, um die weibliche Pflanze zu bestäuben. Hat man die männlichen Pflanzen identifiziert, dann sollte man sie so schnell wie möglich entfernen.

Achtung: Wer mit den reifen männlichen Pflanzen hantiert, sollte sich gut die Hände waschen oder Handschuhe tragen. Ansonsten bestäubt man womöglich selbst die wertvollen weiblichen Pflanzen.

Kann man männliche Hanfpflanzen vermeiden?

Es ist also ganz schon aufwändig, eine Plantage komplett frei von männlichen Pflanzen zu halten. In der landwirtschaftlichen Nutzung auf vielen Hektar Ackerfläche wird es außerdem nicht möglich sein, jede Pflanze tagtäglich unter die Lupe zu nehmen. Mittlerweile gibt es einige Methoden, die Männchen zu vermeiden.

Wachstumsbedingungen

Natürlicherweise gibt es eine 50:50-Chance, ob aus einem Hanfsamen eine männliche oder weibliche Pflanze wird. Unter bestimmten Bedingungen erhöht sich aber die Wahrscheinlichkeit für weibliche Pflanzen:

  • Beleuchtungsfarbe: Ein erhöhter Blaulicht-Anteil begünstigt weibliche, ein hoher Rotlicht-Anteil hingegen die männlichen Hanfpflanzen.
  • Beleuchtungsdauer: bei kürzeren Beleuchtungsphasen entstehen eher mehr weibliche Pflanzen
  • Feuchtigkeit des Untergrunds: Wenn der Untergrund nicht feucht genug ist, kommt es eher zu männlichen Pflanzen.
  • Temperatur: Niedrigere Temperaturen begünstigen weibliche Pflanzen.
  • Luftfeuchtigkeit: Niedrige Luftfeuchtigkeit fördert die Entstehung von weiblichem Hanf.
  • Stress: Bei gesteigertem Stress kommt es eher zu Zwittern, die ebenfalls entfernt werden müssen. Stress für die Pflanzen bedeutet zum Beispiel: Nährstoffprobleme sowie Licht während der dunklen Phase (defekte Zeitschaltuhr, Öffnen der Tür, Schlitze in der Growbox).

Stecklinge

Cannabis Steckling in CBD Indoor Anlage

Stecklinge sind meist weibliche Pflanzen.

Besonders in der gewerblichen Nutzung von CBD-Hanf greift man häufig auf Stecklinge zurück. Denn bei Stecklingen kann sichergestellt werden, dass der THC-Gehalt bzw. CBD-Gehalt aller Pflanzen einheitlich ist. Das ist sehr wichtig, da ja ein THC-Gehalt über 0,2 % (Deutschland) bzw. 0,3 % (Österreich) nicht erlaubt ist.   Außerdem ist natürlich der große Vorteil, dass es sich sicher um eine weibliche Pflanze handelt. Stecklinge sind im Prinzip einfach Klone einer bestimmten weiblichen Pflanze.

Dazu schneidet man Triebe von einer Mutterpflanze ab und lässt sie dann in einem feuchten Behälter auskeimen. Anschließend können sie umgetopft und verkauft werden.

Feminisierte Samen

Feminisierte Samen bringen zu 99 % Wahrscheinlichkeit weibliche Hanfpflanzen hervor. Sie kamen erstmalig 1998 auf den Markt und stellten eine Revolution im Hanfanbau dar. In diesen Samen sind nur weibliche Chromosomen enthalten. Man produziert sie, indem man eine weibliche Pflanze durch Stress dazu anregt, zum Zwitter heranzuwachsen. Mit diesen Pollen wird dann eine andere Pflanze bestäubt – die resultierenden Samen haben nur weibliche Chromosomen. Allerdings neigen die Pflanzen aus dieser Zucht selbst dazu, Zwitter zu werden. Deshalb sollte man bei Pflanzen aus feminisierten Samen Stress unbedingt vermeiden.

Kann man männliche Hanfpflanzen rauchen?

Naja, theoretisch kann man natürlich auch den männlichen Hanf rauchen. Das Problem dabei ist, dass er nur wenig Cannabinoide enthält – weder THC noch CBD. Das heißt, du spürst einfach nichts und wirst auch nicht high davon werden. Es sei denn, du rauchst sehr, sehr viel davon, was wiederum die Lunge stark schädigen würde. Es ist allerdings möglich, aus Bestandteilen der männlichen Pflanze Esswaren herzustellen.

Aus Hanf Butter oder Öl herstellen

Männliche Pflanzen eignen sich eher zum Kochen oder Backen.

Zum Beispiel gibt es viele Rezepte, wie man aus den Zuckerblättern der weiblichen Pflanze Butter oder Konzentrate herstellt. Für diese Zwecke lassen sich auch die männlichen Pollen verwenden.

Was du mit männlichen Hanfpflanzen machen kannst

Der männliche Cannabis ist aber nicht so nutzlos, wie es jetzt vielleicht scheint. Einerseits braucht es die männlichen Pflanzen, um eine genetisch gesunde Population zu erhalten. Andererseits lassen sich auch aus männlichen Pflanzen einige sinnvolle Dinge herstellen. Bevor du deine männlichen Pflanzen in die Tonne kippst, wirf doch einmal einen Blick auf unsere Tipps.

Säfte und Tees

Die rohen Cannabisblätter beider Geschlechter enthalten reichhaltige Säuren und Antioxidantien, denen gesundheitsförderliche Wirkungen zugeschrieben werden. Und auch in den männlichen Pflanzen sind in geringeren Dosen Cannabinoide enthalten. Aus der rohen Pflanze lässt sich deshalb ein wohltuender Saft pressen. Dabei solltest du darauf achten, die dickeren Blätter und Stängel wegzulassen, da diese einen bitteren Geschmack verursachen. Du kannst auch einen bekömmlichen Tee aus den männlichen Cannabisblättern brauen. Dieses Getränk verursacht keinen Rausch und enthält vielfältige Mineralstoffe, Vitamine und Ballaststoffe.

Essen und Konzentrate

Mit den männlichen Pflanzen kannst du auch Esswaren wie Butter oder Öl herstellen. Da der Cannabinoid-Gehalt deutlich geringer ist als bei weiblichen Pflanzen, benötigt man jedoch eine viel größere Menge an Cannabis. Durch unterschiedliche Verfahren lassen sich die wenigen Cannabinoide auch extrahieren und zu Konzentraten verarbeiten.

Seile und Stoffe

Als Privatperson vielleicht weniger relevant, aber interessant zu wissen: Für Seile und Stoffe verwendet man bevorzugt die männlichen Pflanzen. Deren Fasern sind feiner und widerstandsfähiger als die der weiblichen Gewächse. Deshalb stellt man aus männlichen Pflanzen feinere Stoffe, wie Tischdecken, Tücher und Bettwäsche her.

Insektenschutzmittel

Die Aromastoffe im Hanf wirken abschreckend auf diverses Ungeziefer, wie z. B. Mücken oder Fliegen. Eine Cannabispflanze oder getrocknete Cannabisblätter können deshalb als natürliches Insektenschutzmittel eingesetzt werden.

Züchten

Und nicht zuletzt: Wer Hanfsamen züchten möchte, benötigt natürlich ebenfalls die männlichen Exemplare. Durch gezielte Kreuzungen entstehen laufend neue, beliebte Hanfsorten.

Die männlichen Pflanzen enthalten also nur sehr wenig der begehrten Cannabinoide CBD und THC. Deshalb bewirken sie keinen Rausch und haben auch nicht die übliche entspannende Wirkung. Hanfbauern müssen die Männchen unbedingt entfernen, bevor sie ihre Pollen verstreuen. Trotzdem gibt es einige Dinge wie Säfte, Tees oder Esswaren, die man aus der männlichen Hanfpflanze herstellen kann.

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